Referentin Sephora McElroy verbindet gewerkschaftliche Themen und stärkende Techniken.
Foto: Andreas Reeg
Die Starkmacherin
Sephora McElroy gehört zu den rund 800 Referentinnen und Referenten der IGBCE. Seit fast zwanzig Jahren hilft sie besonders Betriebsratsmitgliedern, in einer zunehmend fordernden Arbeitswelt inhaltlich auf dem neuesten Stand zu bleiben und dabei nicht im Stress unterzugehen.
Sephora McElroy lernte früh, dass das Leben nicht immer geradlinig läuft. Ihre deutsche Mutter und ihr Vater, ein US-Soldat, verliebten sich in der Oberpfalz. McElroy wurde in Kalifornien geboren, kam nach der Trennung der Eltern als Kleinkind nach Deutschland und wuchs überwiegend bei den Großeltern auf – die starben, bevor McElroy erwachsen war. „Das alles hat mich früh selbstständig gemacht, und gleichzeitig wusste ich: Echte Erfolge gelingen nur in der Gemeinschaft, in der Solidarität“, sagt sie.
Schon bei der Ausbildung zur Industriekauffrau bei Hoechst warb sie andere für die Gewerkschaft – keine ganz leichte Aufgabe im kaufmännischen Bereich. Nach dem BWL-Studium wurde sie Gewerkschaftssekretärin bei der IGBCE und dann Personalreferentin. Eine erfüllende, aber auch enorm stressige Zeit. Sephora McElroy erkannte ihre Grenzen nicht, der Stress wuchs.
Dann, 2007, brauchte sie eine Pause. McElroy hatte schon als Jugendliche eine chronische Entzündung des Dickdarms entwickelt, die Symptome wurden durch den Stress stärker. Also machte sie sich selbstständig mit dem, was sie schon immer gut konnte und mochte. McElroy erinnert sich an die Zeit im Studium, das sie mit Nachhilfe finanzierte. „Mein Cousin hatte in Rechnungswesen immer schlechte Noten. Nach einer Stunde Nachhilfe hatte er es kapiert“, erzählt McElroy und lacht. Zudem gab sie schon damals bei der IGBCE Seminare im Jugendbereich. „Ich kann komplexe Inhalte verständlich erklären“, sagt sie. Also macht sie sich als Trainerin und Coachin selbstständig – und ist seit fast zwanzig Jahren regelmäßig auch für IGBCE-Seminare im Einsatz.
„In unruhigen Zeiten braucht es starke Menschen für starke Betriebsräte.“
Sephora McElroy
McElroy ist überzeugte Gewerkschafterin
Besonders viel Freude machen ihr Seminarreihen. Oft sind es Frauen in Führungspositionen, die sie immer wieder trifft. „Die Frauen zu begleiten, zu sehen, wie sie Stärke entwickeln und ihre Themen vorantreiben, wie sie wachsen, das ist für mich eine große Freude“, sagt McElroy. Auch die Seminare für Betriebsratsmitglieder liegen ihr am Herzen. „Die Zeiten werden unruhiger, hart erkämpfte Rechte der Arbeitenden stehen plötzlich infrage – da braucht es starke Menschen für starke Betriebsräte“, sagt Sephora McElroy. Ihr Stil? „Ich mache Seminare mit Tiefgang, Pfiff und Humor.“
Die Referentin hört sich dabei erst einmal an, was die Menschen bewegt, die in ihre Seminare kommen, will ihnen kein Konzept überstülpen, von dem sie denkt, das müsste allen guttun. Gerade in der Arbeit mit Gewerkschaftsmitgliedern sind es immer zwei Bereiche, die im besten Fall wie selbstverständlich gemeinsam behandelt werden. Neuerungen, harte Fakten, neue Gesetze oder gute Beispiele aus Unternehmen auf der einen Seite und dann die Mindsetarbeit, das Stärkende, das Nach-vorn-Blicken. Das sei umso wichtiger, wenn Mitglieder im Betriebsrat, in einer Tarifkommission oder in anderen Gremien wirken. Als Arbeitnehmer*in sei man immer in einem Machtverhältnis mit der Unternehmensseite. „Als Betriebsrat musst du dich innerlich aufrichten, auf Augenhöhe kommen, und das schaffen nicht immer alle“, sagt Sephora McElroy.
Kleine Schritte gegen die Überforderung
McElroy erlebt in ihrer Arbeit jeden Tag Menschen aus unterschiedlichen Unternehmen und Branchen. Was die Menschen eint? „Die Gesellschaft ist unglaublich im Stress.“ Und andauernder, ungesunder Stress mache nun einmal krank. In ihren Seminaren geht es deswegen auch immer wieder um Techniken, mit denen man Stress verursachende Strukturen bearbeiten und gleichzeitig im Alltag achtsam sein kann. McElroy hat dafür diverse Weiterbildungen gemacht im Bereich von Yoga, Ayurveda, Meditation und Klang.
Manchmal helfen schon kleine Schritte, davon ist Sephora McElroy überzeugt. „Mikroresilienz ist sehr wichtig“, sagt sie. Kleine gedankliche Auszeiten, einfach mal aus dem Fenster schauen, sich auf die Blätter der Bäume konzentrieren, an den letzten Urlaub denken, das helfe schon, um etwas von der Stressspitze runterzukommen. Für die Referentin sind es gleich mehrere Themen. Die Pferde, um die sie sich kümmert, Yoga und vor allem Meditation. „Ohne diese Auszeiten für Körper und Geist würde ich meinen Alltag nicht schaffen“, sagt sie und ergänzt: „Ich bin gelassen in der Flexibilität – und das versuche ich auch in allen Seminaren zu transportieren.“